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Facebook und die Zukunft des digitalen Lebens

Einige Updates aus der Facebook-Konferenz F8 und meine persönliche Meinung dazu

Facebook f8Das digitale Leben im Social Web verändert sich ständig. Jede Woche, beinahe jeden Tag, erfährt der unbedarfte Nutzer etwas, was ihn dazu veranlasst oder besser, dazu veranlassen sollte, sein eigenes Tun zu überdenken oder zumindest anzupassen. Die Spieler in diesem sozialen Spiel sind die Giganten des Internets Facebook, Google, Microsoft und einige andere, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Nutzer immer stärker zu vernetzen, aber auch zu beobachten und zu kontrollieren. Das ist für viele, mich eingeschlossen, nicht immer eine positive Entwicklung, sondern zunehmend beängstigend. Assoziationen zu Spielfilmen wie „Matrix“ drängen sich einem auf, in der es auch ein lenkendes und steuerndes Organ im Hintergrund gibt, was die Geschicke der Menschheit verantworten will.

Offenbar möchte nun Facebook dieses Organ werden, da Mark Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz F8 angekündigt hat, sein Facebook zum zentralen Lebensarchiv jedes einzelnen zu machen. Auf Facebook soll von der Geburt über die Hochzeit und wahrscheinlich auch bis zum Tod alles aufgezeichnet, dokumentiert und vernetzt werden – eine für mich beinahe furchteinflößende Vision.

Die ersten Schritte geht Facebook mit neuen Features und Möglichkeiten bereits jetzt – die neue Timeline soll die neue Lebensader jedes privaten Profils werden (ab 30. September für jeden verfügbar). Das Open Graph Modell, was bislang schon für eine vernetzte Integration von Facebook im Internet sorgte, wird weiter aufgebohrt und auch Facebook-Applikationen haben nun auch mehr Möglichkeiten, Dinge von und über Nutzer zu posten, ohne dass diese zustimmen müssen, wie es bislang der Fall gewesen ist. Zuckerberg sagte, dass es bislang sehr viel schwieriger gewesen war, über jemanden mehr herauszufinden als die unmittelbaren Profilangaben wie Alter, Hobbys und Ausbildung. Ich finde, dass das auch gut so ist, denn ich möchte mein Leben nicht mit allen anderen teilen! Ich möchte eine Privatsphäre haben und eine gewisse, wenn auch nur noch marginal vorhandene Anonymität im Netz. Denn die Gefahren durch eine exzessive Persönlichkeitsoffenbarung im Web sind nicht von der Hand zu weisen:

  • Identitätsklau durch Anlegen von falschen Profilen in Communities
  • Trojaner-Attacken durch sorglosen Umgang mit Links und gefakten Empfehlung von Freunden
  • Cyber-Mobbing / Cyber-Stalking / Cybergrooming: durch unbedachte Teilung von persönlichen Daten, Fotos und Videos wird man angreifbar

Natürlich hat man als Nutzer nach wie vor die Möglichkeit, Sichtbarkeiten zu beschränken, die Verbreitung einzugrenzen und vor allem hat man als Nutzer – und das möchte ich jedem nahe legen – nach wie vor und uneingeschränkt die Wahl, was man mit der Öffentlichkeit teilt und was nicht. Denn was ich nicht poste, kann auch nicht geteilt werden. Die Gefahr liegt meines Erachtens darin, dass viele meinen, eine gute Privatsphäreeinstellung reicht aus, um sich so gut wie möglich unsichtbar für die breite Öffentlichkeit zu machen. Weit gefehlt, denn sobald einer von meinen Freunden ein privates oder vielleicht sogar intimes Foto mit seinen Freunden teilt, wird aus privat ganz schnell öffentlich. Dass ist vielen Nutzern nicht bewusst und darauf weisen wir in Schulungen und Workshops immer wieder hin.

Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob das Social Web gut und sinnvoll für uns ist – es ist bereits Bestandteil unseres Alltags und wenn man sich bewusst und sorgsam verhält, dann ist der Umgang damit auch vielversprechend und positiv zu sehen. Es stellt sich aber nach wie vor die Frage, ob und wie gut die Nutzer für den Umgang mit Facebook & Co. gerüstet sind. Diese Frage beantwortet kein Facebook, kein Google und auch kein deutscher Datenschutz, dieser Frage müssen sich die Nutzer selber stellen. Und hier, ich wies in anderen Beiträgen bereits darauf hin, ist Aufklärungsarbeit auch von uns Agenturen gefordert. Wir sind diejenigen, die am ehesten wissen, worauf Nutzer achten sollten und achten müssen und wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen und neue Entwicklungen nicht in den Himmel loben, sondern kritisch prüfen und diese Erkenntnisse auch allen zuteil machen.

Facebook F8 – alle Neuerungen auf einen Blick


One thought on “Facebook und die Zukunft des digitalen Lebens

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