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Pinterest, Path und So.cl – Netzwerke abseits von Facebook

Facebook ist zwar mit Abstand das Netzwerk mit den meisten angemeldeten Nutzern weltweit, aber es ist nicht unbedingt das Beliebteste. Wie im Business-Report von ForeSeeResults zur Kundenzufriedenheit der amerikanischen Bevölkerung im Juli 2011 zu lesen war, liegt der Zufriedenheitsindex (ASCI) von Facebook bei 66 von 100 möglichen Punkten. Damit rangiert Facebook auf dem letzten Platz. Myspace beispielsweise ist komplett aus dem Index gefallen, Wikipedia wird mit 78 (+1%) und Youtube mit 74 (+1%) Punkten bewertet (siehe auch t3n.de).

Pinterest-Path-SoclDa auch in meinem Bekanntenkreis die Frage nach Alternativen aufgeworfen wird, möchte ich heute einmal aus der Vielzahl von Netzwerken drei vorstellen, von denen zwei eindeutig Trendpotential besitzen. Brisante Themen wie den Datenschutz und die Privatsphäre zu den drei Netzwerken werde ich in einem gesonderten Blogbeitrag untersuchen.

Pinterest

Der Name setzt sich aus „Pinboard“ und „Interest“ zusammen und damit wird auch schon der Charakter von Pinterest deutlich. Ich kann hierüber interessante Bilder, Fotos und Videos, die ich im Netz finde,  an meine Pinnwand pinnen und anderen zugänglich machen. Das Innovative an Pinterest ist das Follower-System, welches ein selektives Abonnieren erlaubt. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu Twitter oder Google+ ein Folgen nicht automatisch bedeutet, dass ich alle Informationen desjenigen konsumiere, sondern ich wähle mein Abonnement thematisch aus. Ich kann über „Boards“ einzelne Themen abonnieren und solche als Nutzer auch selbst anlegen.

queo | Pinterest - Screenshot

Martin Weigert von netzwertig.de nennt das auch „Granulares Abonnieren der Themenbereiche einzelner Nutzer“. Das macht die Filterung der Inhalte um ein Vielfaches einfacher und intuitiver. Wie Olaf Kohlbrück auf etailment.de auch treffend formuliert: „Es ist eine Mischung aus Katalog und Lifestyle-Magazin und könnte die Art verändern, wie wir Dinge im Web finden, verteilen und wie wir künftig einkaufen“

Pinterest ist im März 2010 live gegangen, gehört mittlerweile zu den Top10 der führenden Social Networking Sites in den USA und auch in Deutschland nimmt das Interesse exponentiell zu. Als iPhone-App, mit „Pin-it“-Button oder „Follow me on“-Button für die eigene Website und dem „Pin it“-Button für den eigenen Browser ist Pinterest recht vielfältig einsetzbar.  Bislang ist der Dienst nur über eine Einladung zugänglich, das wird sich sicherlich aber bald ändern.

Path

Nachdem Diaspora kurzzeitig von sich reden machte, die Aufregung um die erste Alpha-Version nun aber wieder verflogen ist, liest man immer öfter „Path“ auf Facebook. „Path“ ist auch ein soziales Netzwerk, was alle Funktionalitäten von Facebook bietet, darüber hinaus aber noch eine ganz wichtige Eigenschaft mitbringt: Path ist weitestgehend privat, klein und übersichtlich. Es wirkt nicht überladen oder verwirrend umfangreich, sondern es ist erfrischend schlank in Anmutung und Funktionalität. Path gibt es ausschließlich als mobile App für iPhone und Android und ist auf maximal 150 Freunde pro Benutzer begrenzt, von denen jeder alles von mir sieht. Darum ist es hier auch viel wichtiger als woanders, seinen Freundeskreis bewusst zu wählen.

queo | Path Screenshot

queo | Path Menue

Sehr schick finde ich die Navigation – ein kleines „+“ in der unteren linken Ecke öffnet bei Klick in einem Halbkreis die möglichen 7 Interaktionen:

  • Foto hochladen (aus dem Album oder direkt von der Cam mit verschiedenen Bildmodi)
  • Freunde hinzufügen
  • Orte hinzufügen
  • Musik hören und Vorschläge von Freunden ansehen
  • Statusmeldung schreiben
  • Schlafen gehen oder Aufwachen

Mehr gibt es nicht auf Path und mehr brauche ich im Prinzip auch nicht.

Kurz und gut, Path ist ein weiteres Netzwerk, aber um es mit den Worten von Robert Basic auszudrücken; „Wenn ich der Meinung bin, dass ich ein Werkzeug viel besser gestalten kann, biete ich entweder auch eins an (siehe Path) oder meckere eben darüber (über Facebook)“. Und im Gegensatz zu Facebook gibt es hier erfreulicherweise auch ein „Dislike-Smiley“.

Insgesamt habe ich mich mit Path sehr schnell angefreundet und teile Inhalte, die mir eher privat erscheinen, fast nur noch auf Path mit meinen Freunden.

Nachtrag (08.02.2012) Wie heute zu lesen war, hat sich Path einen dicken Schnitzer in seiner jungen Karriere erlaubt, indem es ungefragt und ohne vorherige Autorisierung durch den Nutzer Adressdaten aus dem Smartphone-Adressbuch auf einen Path-Server überträgt. Laut Path, um das Hinzufügen neuer Freunde zu erleichtern. Doch offensichtlich sind sie sich schon bewusst, dass sie mit dieser Methode eine dicke Delle in ihr bis dahin einwandfreies Image geschlagen haben, denn zukünftig soll der Nutzer vorher gefragt werden. Ich bin auch arg enttäuscht über soviel Dreistigkeit!

So.cl

Ich muss ehrlich gestehen, dass mich das Design und die Funktionalität des Microsoft-Netzwerkes So.cl von Anfang an ein wenig abgeschreckt haben. Das Projekt, welches Ende 2011 gestartet ist, richtet sich nach Angaben von Microsoft an Studenten, die über die Suchfunktion Nutzer mit ähnlichen Interessen finden und so Lernziele schneller erreichen sollen. Bislang ist So.cl nur per Einladung zugänglich.

So.cl erinnert im Design stark an Google+ und damit auch irgendwie an Diaspora und bringt die meisten der gängigen Funktionen von Facebook mit. Im Automobilbau würde mal wohl sagen: gleiche Plattform und Technik, andere Karosserie.

queo | socl - ScreenshotDreh- und Angelpunkt von So.cl ist die Suche. Und damit grenzt sich So.cl auch schon von den üblichen Verdächtigen ab. Wenn ich nach Etwas suche, finden sich neben den Suchergebnissen (aus Bing) auch Personen, die das Gleiche gesucht haben. So finde ich recht einfach andere Nutzer, die just in dem Moment nach den gleichen Themen suchen und kann mich dann mit ihnen darüber austauschen, z.B. im Rahmen einer Masterarbeit. Insofern kann man bei So.cl auch nicht so richtig von einem sozialen Netzwerk sprechen, da genau diese soziale Verbindung von Nutzern hier nicht im Vordergrund steht.

Bis auf eine nette Video-Funktion, bei der ich mit meinen Freunden zusammen ein Video gleichzeitig anschauen kann, waren das auch schon die Mehrwerte von So.cl. Insofern kann man sich etwas entspannen und muss sich nicht sofort einen Invite ergattern.

Wer trotzdem eine Einladung zu So.cl oder vor allem auch zu Pinterest erhalten möchte, kann sich gern per Kommentar  bei mir melden.


2 thoughts on “Pinterest, Path und So.cl – Netzwerke abseits von Facebook

  1. Das ist mal eine interessante Auflistung von Alternativen, die ich so in der Form noch nie wahgenommen habe. Vielleicht liegt auch genau da das Problem: Ich sehe keinen Grund, mich bei einem Social Network anzumelden, in dem ich schlichtweg niemanden kenne. Anders als bspw. in Asien lernt der gemeine Europäer kaum Leute über gleiche/ähnliche Vorlieben kennen, vielmehr „added“ man in unseren Breitengeraden eher Leute, die man zuvor zumindest physisch schon einmal angetroffen hat. Und die sind dann bei Facebook, der einzig mir bekannten Firma, die erfolgreich Negativschlagzeilen in Werbung umzuwandeln vermag. Vielleicht ist gerade dieses Badboy-Image das, was Facebook so interessant macht. Zumindest wird darüber geredet…

    Was mich aber viel mehr interessiert, gerade im Bezug auf Pinterest: es war in einem Kommentar von Lifestyle und Beeinflussung des Kaufverhaltens die Rede, inwieweit ist diese Plattform denn mit kommerziellen Anbietern/Firmenauftritten bestückt bzw. wird diese von denen wahrgenommen?

    Bei so.cl bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Menschen über Suchbegriffe zusammenzuführen klingt zwar erstmal recht interessant, allerdings fehlt bei diesem System der Kontext, warum man denn nach etwas sucht. Neben einem ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund fallen mir tausend weitere Gründe ein, Suchwörter wie Sildenafil, Kettensäge oder Holocaust zu benutzen.

    Schon um zeigen zu können, dass man etwas nicht so toll findet, ist mir persönlich Path am sympathischsten (wohl daher der Name?!). Falls es mal Anstrebungen gibt, eine Windows Phone App dafür zu etablieren, wäre ich wohl dabei 🙂

  2. Hi Stefan, vielen Dank. Ja Du hast sicherlich recht – es lohnt sich nur dann, sich bei einem neuen Netzwerk anzumelden, wenn man dort auch einen Freundeskreis hat, mit dem man sich austauschen kann. Das ist bei neuen Netzwerken natürlich nicht von Beginn an gegeben (wie auch?). Also braucht es uns Nerds, die sich neue Netzwerke von Anfang an ansehen und somit erste Freundeskreise aufbauen 😉

    Was Pinterest angeht – da ich hier Boards nach verschiedenen Themen, z.B. Mode, Literatur, Auto usw. anlegen kann und entsprechende Dinge pinne, die ich im Netz finde und vor allem auch gut finde, kann sich das auf das Kaufverhalten auswirken, sofern Dinge zukünftig weniger geliked, denn gepinnt werden. Ob Marken bereits auf Pinterest unterwegs sind, glaube ich nicht. Denn der Dienst befindet sich noch im Beta-Stadium und hat meines Wissens noch keine Option für Markenprofile. Ich gehe aber davon aus, dass durch das exponentielle Wachstum die Trendscouts schon genau hinschauen und sicherlich auch privat aktiv sind.

    Path nutze ich selber auch sehr aktiv, wenn auch bislang nur mit einem kleinen Freundeskreis – aber das macht es für mich um so sympathischer.

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