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Wird Facebook etwa demokratisch?

Wohl kaum, denn mit weltweit über 800 Mio. Nutzern, unterschiedlichsten Interessens- und Anspruchsgruppen und einem bevorstehenden Börsengang wird sich Facebook schwerlich den Luxus der Mitbestimmung bei den  Rechten und Pflichten auf Facebook leisten können. Zudem wäre es eine organisatorische Glanzleistung, die Meinungen aller Nutzer, Unternehmen und Datenschützer unter einen Hut zu bringen.

Trotzdem haben die Frauen und Männer aus Palo Alto diese Woche so etwas wie Aktionismus gezeigt, indem sie über die geänderten Nutzungsbedingungen haben abstimmen lassen.

Was ist der Kern der neuen Bedingungen?

Facebook kann jederzeit und ohne Zustimmung der Nutzer die Bedingungen ändern – okay, das ist nicht neu. Das konnte Facebook auch so schon und hat sich damit beim deutschen Datenschutz nicht gerade beliebt gemacht.

Aus den Datenschutzrichtlinien werden Datenverwendungsrichtlinien – hört hört.

Alle Informationen, die Nutzer mit ihren Freunden teilen, können zukünftig von Apps verwendet werden, ohne erneute Zustimmung oder die Möglichkeit des Widerspruchs. Das ist schon sehr viel bedenklicher, denn so wird dem Nutzer eine Möglichkeit der Datenkontrolle entzogen.

Das Gute kommt zum Schluss?

Nachdem Facebook angekündigt hat, bei einem Veto von mindestens 7.000 Nutzern auf der Seite Facebook Site Governance die Bedingungen anzupassen und neue Alternativen vorzustellen, haben bis heute über 36.000 Nutzer in einem Kommentar zu den neuen Regeln geschrieben „Ich lehne die Änderung ab“. Das ist für meine Begriffe ein bislang einzigartiger Fall auf Facebook.

Ob sich dadurch wirklich etwas ändert? Ich glaube es fast nicht, denn in anderen Ländern hat nur ein Bruchteil eines Bruchteils der Nutzer etwas gegen diese neuen Nutzungsbedingungen.

Facebook ja nein vielleicht


4 thoughts on “Wird Facebook etwa demokratisch?

  1. Jan, ich glaub den Punkt mit den Apps wurde vielleicht falsch interpretiert. Schon heute kann ich definieren, was die Apps meiner Freunde an Informationen erhalten können. Auch die neue Formulierung

    „Wenn du oder andere Nutzer, die deine Inhalte und Informationen sehen können, eine Anwendung verwendet, werden deine Inhalte und Informationen an die Anwendung übermittelt. Wir verlangen von Anwendungen, dass sie deine Privatsphäre respektieren. Deine Übereinkunft mit der Anwendung bestimmt, wie diese die Inhalte und Informationen nutzen, speichern und übertragen kann. (Weitere Informationen zur Plattform findest du in unseren Datenverwendungsrichtlinien und auf der Plattformseite.)“

    (insbesondere der dritte Satz) hört sich für mich nicht nach absoluter Willkür an.

    Gern würde ich auch mal wissen, wieviel % der 36.000 „dagegen“-Stimmer sich auch tatsächlich mit den Richtlinien auseinandergesetzt haben 😉 Ich hab mich mal etwas damit beschäftigt. Ich bin mir echt nicht sicher, ob da mancher Kritiker nicht zu sehr im Kaffeesatz liest. Facebook ist leider mittlerweile auch ein Lieblings-Hassthema für viele.

    • Sicher Dirk, das ist unbestritten – sobald Facebook irgendetwas verändert, ist die ganze Welt dagegen.

      Allerdings habe ich das App-Thema so aufgefasst, dass es zukünftig eben nicht mehr in der Entscheidung der Nutzer liegt, ob Apps der Freunde den eigenen Content nutzen dürfen, sondern dass es ab sofort so ist und damit die Privatsphäreeinstellung dazu obsolet wird. So interpretiert es beispielsweise auch der Spiegel (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,822868,00.html), aber vielleicht ist es wirklich nur eine Fehlinterpretation?

  2. Ist wirklich ungünstig formuliert. Wenn ich denn bislang Apps per Definition davon abbringen kann, meine Daten zu nutzen, verstehe ich den hinzugefügten Part „or others who can see your content and information“ unter 2.3.nicht. Da verschwimmen mal wieder Grenzen und die einst so global wirkende Funktion zum Unterbinden des Datenaustauschs lässt mich mit bösem Auge gen meine Freundesliste blicken, die Leute enthalten kann, welche womöglich andere Datenschutzeinstellungen verwenden, Zugriff auf mein Profil haben und fröhlichen App-Unsinn treiben.

    Interessant finde ich auch die Umbenennung (zumindest im englischen Dokument) von „Privacy Policy“ in „Data Use Policy“.

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