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Designer werden relativ (viel) sein (müssen)!

queo auf dem designforum dessau

 

In der letzten Novemberwoche des vergangenen Jahres ging es nach Dessau an die Hochschule Anhalt (FH). Für mich hieß das „Back to the roots!“. Der Fachbereich Design hatte zum „designforum dessau“ eingeladen und Rüdiger Henke, unser Managing Director, stellte sich den interessierten Studenten und Professoren.

Nach zweieinhalb Jahren ging es für mich wieder an die alte Wirkungsstätte nach Dessau zurück. Im Raum 303 des Lyzeums versammelten sich erneut Studenten und Professoren, nahmen ihren Platz auf den langen Stuhlreihen ein und warteten interessiert auf den Beginn des Vortrags. Im Gegensatz zu meiner Bachelor-Präsentation im Sommer 2010 stand nicht ich diesmal vor dem Auditorium, sondern Rudi, mein Chef.

„Designer werden relativ (viel) sein (müssen)!“

Unter dem obigen Thema gab er einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen aus unserer – also aus Agentursicht. Fragen wie „Muss der Beruf des Designers neu gedacht werden, was muss bzw. sollte er alles können und welche Kompetenzen müssen mitgebracht werden bzw. entwickelt werden?“ wurden in dem Vortrag aufgegriffen und stellten unsere Erfahrungen als queo zur Diskussion. Der Vortrag bezog sich kontextuell vor allem auf Kommunikationsdesigner, die ihre Fokussierung und eigene Position auf dem Markt finden müssen.

Ein Thema des Vortrages und eine aktuell immer wieder aufkommende Diskussion ist die Frage zur Zukunft von Print im alltäglichen Geschäft. Im Vergleich von 2010 zu 2012 konnte man bei uns eine deutliche Verschiebung der Kanäle und Kommunikationsmittel sehen: Der Anteil an Kundenmagazinen, Flyern und Broschüren wie auch Anzeigen nahm ab, Onlinemarketing und der mobile Bereich legten dagegen über das Doppelte zu – eine beachtliche Veränderung, bedenkt man den geringen Zeitraum von zwei Jahren.

Was bedeutet dies aber für derzeitige Designstudenten?

Priorität bei allen Änderungen hat immer die konstante Frage: Was will ich erreichen? Wie erreiche ich effektiv und effizient meine Zielgruppe? Design ist ein Gestaltungsmittel, welches der Message besonderen Ausdruck verleiht, in einer Zeit, in der Herausstechen aus der Masse so wichtig ist.

Fokussierung auf nur eine Disziplin wie Print, kann dabei sehr gefährlich sein. Denn Print größtenteils ein Commodity geworden – heißt ein „Standardprodukt“, welches leicht und günstig herzustellen ist. Den massiven Trend hin zu den digitalen Medien wird einem immer mehr vor Augen geführt, nicht zuletzt durch Schlagzeilen wie „Biete Zeitung, suche Leser“. Warum? Werbewirkung, Messbarkeit und Budgetkürzungen, Bequemlichkeiten, Änderung von Verhalten – die Liste könnte beliebig erweitert werden. Auch wenn der Anteil hochwertiger Printprodukte steigt, schrumpft der gesamte Markt.

Nur die Ziele und Zielgruppen zählen – daher nicht „neue Medien gegen alte Medien“, sondern „alte Medien und neue Medien gemeinsam“, um den Mehrwert beider zu bündeln und Ziele besser zu erreichen!

Neue Strategien müssen gefunden und die richtigen Kommunikationsmittel dafür entwickelt werden. Dafür sind Spezialisten wichtig, die eine fundierte Ausbildung haben und neben einer Fokussierung dennoch andere Fachgebiete nicht vernachlässigt haben. Flexibilität und übergreifendes Wissen und Verständnis für sich ändernde Märkte und sich änderndes Nutzungs- und Kommunikationsverhalten werden von uns hoch geschätzt.

Welche Kompetenzen sind uns aus Agentursicht bei Bewerbern wichtig?

Ein Schubladendenken ist nicht mehr möglich. Folgende Darstellung stellt die Kernkompetenzen von Designern und den Bezug zu den Anforderungen dar. Der untere Teil ist Grundanforderung und heute fast schon Hygienefaktor. Ohne Toolkompetenz und Designkompetenz schafft man die gestellten Aufgaben gar nicht in der vorgegebenen und immer geringer werdenden Zeit. Der obere Teil also Designkompetenz und Beratungskompetenz stellt sicher, dass man sich gezielt und effektiv in die richtige Richtung bewegt.

Tool- und Prozesskompetenz – das Handwerkszeug
ist die Grundlage für jeden Designer – egal, welche Fachrichtung, Fokussierung und Vorlieben man hat. Neue Anforderungen und neue Technologien erfordern neue Fähigkeiten und damit das ungehemmte Bestreben, über den Tellerrand zu schauen. Effizientes Arbeiten ist nur mit Toolkompetenz möglich und durch die Budgetknappheit bzw. Budgeteffizienzanforderung des Kunden auch zwingend notwendig.
Bei der Ideen- und Entwurfsentwicklung, bei der Umsetzung und Implementierung helfen klare Prozessregeln. Eine konsistente Datenablage, Informationsmanagement und Dokumentation sind dabei feste Größen in der Qualitätssicherung.

Designkompetenz – eure Leidenschaft
Der Aufbau und die Vertiefung von Kompetenzen (theoretisch und praktisch) ist Zweck des Studiums. Stetiges Besser-werden-wollen und ein immer offener Geist sollte der Anspruch sein. Grundvoraussetzung bei allem ist nach wie vor natürlich Talent, aber nur Leidenschaft und Charakter machen zukünftige Designer zu gefragten Professionals.

Beratungskompetenz – Seniorität erreichen
Die Beratungskompetenz ist nach dem Studium am wenigsten ausgeprägt, für die langfristige erfolgreiche Entwicklung aber sehr wichtig. Zu Beratungskompetenz zählen Punkte wie:

  • Fachkompetenz
  • Berufserfahrung und damit einhergehende Souveränität
  • Fähigkeit, Kunden und Märkte sehr genau zu verstehen (Kundenfokus/Kundenbrille)
  • Gesellschaftspolitisches Allgemeinwissen
  • Analytisch-logisches Denkvermögen/Prozessdenken, BWL-Grundkenntnisse, Kommunikation, Marketing/Vertrieb
  • Soziale Kompetenz, Softskills

Noch ein persönlicher Abschluss aus Sicht einer Design-Absolventin, die bei queo Fuß gefasst hat.

Ja, es wird viel von einem verlangt und man merkt nur allzu sehr, welche Disziplin es im Berufsalltag  erfordert, sich die Zeit für den Blick-über-den-Tellerrand zu nehmen und seinen kreativen Geist über lange Sicht zu bewahren. Die Zeit, die einem im Studium dafür gegeben wird, kommt so schnell nicht wieder.
Gerade deshalb sollte man zu 100% sein Studium als besondere Chance begreifen, so viel wie möglich ausprobieren und in Angriff nehmen, Auslandsaufenthalte nicht scheuen und die Professoren als „Senioritätspools betrachten. Aus heutiger Sicht muss ich zugeben, dass ich hinsichtlich der Auslandserfahrung nicht mutig genug war – es hat mir grundsätzlich nicht geschadet, aber ein bisschen wehmütig schaue ich schon zurück. Aber man sollte ja nie „Nie“ sagen.

Dieser Artikel über die HS Anhalt, meine Wurzeln als Grafikdesignerin, bildet zugleich meinen Abschied bei queo. Auf mich warten neue Aufgaben, aber es war eine aufregende Zeit. Vielen Dank an meine Leser, die Arbeit im Social Web war stets kreativ-motivierend! 


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