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Beschreibe mir die Farbe Blau!

Wenn ich einen blauen Würfel in der Hand halte, kann ich seine Form recht einfach beschreiben. Er hat 8 Ecken, 12 Kanten mit konstanter Seitenlänge, 6 quadratische Grundflächen. Wie beschreibe ich nun aber seine Farbe? Am besten so, dass das auch jemand versteht, der noch nie diese Farbe gesehen hat? Was ist überhaupt Farbe? Naja, mindestens einen Blogeintrag wert!

Wie komm ich jetzt darauf?

Während der Recherche für den nächsten Artikel meiner Next-Generation-Publishing-Reihe (Teil 1 und Teil 2) blieb ich an meinem allgemeinen Einführungsabsatz über Farbwahrnehmung hängen und fand das Thema so informativ und unterhaltsam, dass ich es lieber in einem eigenen Artikel behandeln möchte, den ihr hier vorfindet. Deswegen gibt es hier erstmal ein buntes Potpourri an Farbinformationen und der Artikel zum NGP verspätet sich ein wenig. Bitte seid nicht traurig!

Grundlagen

Um in allen Details die physikalischen und biologischen Grundlagen der Farbwahrnehmung zu verinnerlichen, empfehle ich den entsprechenden Wikipedia-Artikel. Von mir gibt es hier nur kurz einen populärwissenschaftlichen Crash-Kurs:

Farben sind die Repräsentation verschiedener Wellenlängen des sichtbaren Lichts. Um Farben wahrnehmen zu können, benötigt man spezielle Rezeptoren im Sehorgan (Zapfen), die die optischen Reize an das Gehirn weiterleiten, wo diese dann in Farben übersetzt werden. Das menschliche Sehorgan („Auge“) hat auf der Netzhaut Zapfen für die Wahrnehmung der Farben Rot, Grün und Blau, aus denen die anderen Farben gemischt werden. Andere Rezeptoren auf der Netzhaut heißen Stäbchen und sorgen vor allem für die Helligkeitswahrnehmung. Zapfen sind nicht sehr effizent bei geringem Lichteinfall, während Stäbchen auch mit geringer Helligkeit klar kommen. Das führt dazu, dass nachts subjektiv die Farbintensität der Umwelt fällt und alle Katzen grau werden.

RGB-Farbwürfel

RGB-Farbraum, „anschaulich“ als Farbwürfel, Quelle: Wikimedia Commons

Farbsinnesstörungen

Sind Teile des Wahrnehmungsapparats gestört, kann es zu variierender Farbwahrnehmung kommen. Im Volksmund kennt man derlei Erscheinungen als „Farbenblindheit“. Der belesene Hobbywissenschaftler spricht über „Achromatopsie“ und meint das gleiche. Auch hier wieder eine Leseempfehlung auf Wikipedia.

Rotgrünblindheit

Gegenüberstellung „Normale Sehfähigkeit“ (l.) und Simulation Rotgrünblindheit (r.)

Wie betroffene Personen Farben wahrnehmen, lässt sich nur schwer beschreiben. Es gibt Tools, die so etwas simulieren. Hiermit lässt sich zum Beispiel die Betrachtung einer Website mit verschiedenen Farbssinnesstörungen simulieren. Aber wie funktioniert das anders herum? Wie zeige ich aber einem Farbenblinden, was ein „Normalsehender“ sieht? Kann man überhaupt einen anderen Menschen fragen, ob er eine Farbe genau so sieht, wie ich sie sehe? Solche Fragen kribbeln mir dolle im Kopf, weswegen ich folgende einfache Antwort vorziehe:

Farben sind Zauberei!

Punkt! Es gibt wenige Dinge, die wir so schlecht beschreiben können wie Farben. Es ist sehr einfach, zu sagen: „Diese Fläche ist blau“, aber es ist nahezu unmöglich, die Farbe selber zu beschreiben. Was bedeutet denn blau? Wie würde man einem Blinden erklären, wie blau aussieht? Es funktioniert nicht, wie auch das folgende Video zeigt:

YouTube Preview Image

Und nicht nur gegenüber einem Blinden ist das schwierig, auch so finden wir keine Worte, um das Erscheinungsbild von Farben wirkungsvoll zu beschreiben. Wir können lediglich Wirkungen assoziieren, die wir auf andere Sinne abbilden („Die Farbe ist kühl“ oder ähnliches). Dazu kommt, dass es wissenschaftlich nicht erwiesen ist, dass wir auch alle das gleiche Wahrnehmungserlebnis haben, wenn es um Farben geht. Ich weiß, was blau ist, du weißt, was blau ist, aber vielleicht ist das, was wir jeweils sehen, völlig unterschiedlich. Vielleicht ist in meinem Kopf blau eher das, was für dich rot ist. Dazu empfehle ich auch mal das wunderschöne Video von vsauce:

YouTube Preview Image

Wer jetzt noch nicht davon überzeugt ist, dass Farbe Zauberei ist, der sei noch daran erinnert, dass die menschliche Farbwahrnehmung zwar auf das bekannte Regenbogen-Farbspektrum beschränkt ist, aber das auch nur unser persönlicher „Sichtschlitz“ ist. Oben und unten an das Spektrum schließen sich dann infrarotes und ultraviolettes Licht an, die für uns nicht mehr wahrnehmbar sind, aber für andere Lebewesen so regulär gesehen werden können, wie für uns ein normales „Grün“. Außerdem haben menschliche Augen nur 3 Farbrezeptoren, aus denen unser Farbempfinden entsteht. Es gibt Krebse mit bis zu 16 Farbrezeptoren zur Bildung des Farbeindrucks und uns fehlt einfach die Vorstellungskraft, herauszufinden, wie diese Farben aussehen könnten (dazu ein Comic von the Oatmeal).

Zusammenfassung

Farben werden im eigenen Kopf durch die individuelle Interpretation des jeweiligen Gehirns von Sinnesreizungen im Sehorgan gebildet. Ob das bei jedem Menschen den gleichen Effekt hat, weiß man nicht. Genau genommen kann man nicht einmal sicherstellen, dass der empfundene Sinneseindruck durch reale Reize oder ausschließlich durch das Gehirn hervorgerufen wurde. Die Aussage lässt sich auf alle Sinne übertragen, was bei längerem Nachdenken existenzialistische Gedanken aufwerfen kann, das lasse ich hier aber mal außen vor. Zurück zum Thema: man kann Farben nicht wirklich beschreiben und sich keine Farben vorstellen, die man noch nicht gesehen hat. Es gibt Organismen, die können (jedenfalls theoretisch) mehr Farben sehen als wir Menschen. Und trotzdem hat jeder (Sehende) von uns auf seine ganz eigene Weise ein ganz klares Konzept von Farbe, wir interpretieren Farben ähnlich in Bezug auf ihre Wirkung und auch die Verknüpfungen zwischen Farben (Kontraste, Harmonien usw.) lassen sich einheitlich definieren.

Farben sind toll, bunt und aus den vorgetragenen Gründen ziehe ich mein eigenes unwiderlegbares Fazit:
It’s Magic!

Quelle: Internetz (pandawhale.com)

Soviel zu meinem Abschweifen von der Next-Generation-Publishing-Reihe. Ich werde mich schnellstmöglich daran setzen, den Artikel über Farbprofile fortzusetzen, nachdem ich mich hier etwas auslassen konnte =)

Bis bald,
Alex


5 thoughts on “Beschreibe mir die Farbe Blau!

  1. Passend zu dem Thema gab es bei der re:publica 2013 einen super spannenden Slot von Neil Harbisson und Moon Ribbas. Neil ist von Geburt an Farbenblind und sieht nur schwarz-weiß. Seit seinem 20ten Lebensjahr ist er aber offiziell Cyborg, denn er trägt eine Kamera, die mit einem Kontakt an seinem Schädelknochen verbunden ist und Farben in Töne übersetzt. Das macht es ihm möglich Farben zu hören.

    Glaubt ihr nicht? Hier ist das Video zur Session bei der re:publica 2013:

    http://www.youtube.com/watch?v=6hUg48vf0QI

  2. Ich finde diese Dinge extrem spannend, auch wenn ich mit derart philosophische Gedanken eher im Alter zwischen 16 und 20 gemacht habe und mittlerweile eher das rein physikalische sehr interessant finde, denn es ist zum Beispiel noch nicht einmal genau erforscht, WIE die Sehrezeptoren tatsächlich funktionieren und WIE das Gehirn einen Seheindruck daraus bastelt … Aber es scheint zu funktionieren. 🙂

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