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3 Strategen, 2 Tage, 1 innovative Serviceidee

Rückblick auf den Innovation Strategy Workshop der APG

Bernhard und ich waren am Wochenende in der Werbemetropole Hamburg zu Gast und haben an einem zweitägigen Workshop der APG zum Thema Konzeptentwicklung teilgenommen. Unter dem Motto „Innovation Strategy“ haben wir in 3er Teams innerhalb von nur zwei Tagen aus einem groben Briefing eine disruptive Serviceidee entwickelt.

Das Briefing war simpel und herausfordernd. Es bestand aus nicht mehr als vier Schlagworten:

  • Automotive
  • 50+
  • Connected Service
  • Information Overload

Falls Sie sich jetzt fragen, wie man aus dieser groben Vorgabe in so kurzer Zeit eine konkrete Idee für einen Service mit Nutzwert entwickelt z.B. den erlebnisgetriebenen „Storydrive“ oder den entscheidungsfreudigen „Aut-O-Mat“, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen. (Anm, d. Red: Die Ideen werden leider nicht verraten, es geht uns ja darum ihnen zu erzählen wie es geht.)

Rückblickend glaube ich, dass drei Dinge im Zusammenspiel diese Leistung möglich gemacht haben: Methodik, Teamarbeit und Fokus.

1. Methodik

Kreative Problemlösung funktioniert nicht, indem plötzlich irgendwo die sprichwörtliche Lampe angeht und die Idee aus dem Äther herein schwebt. Kreative und nützliche Ideen sind das Ergebnis von iterativer und strukturierter Denkarbeit, die durch Methoden und Tools unterstützt wird, z.B. den Double-Diamond des Service Design. Die Grundlagen des Service Design kennen Bernhard und ich noch sehr gut vom Service Design Jam in Dresden. Dieser Konzeptansatz setzt den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt aller Überlegungen, denn alles, was wir uns ausdenken, hat ja am Ende den Menschen zum Ziel. Dabei öffnet und schließt man seine Gedankenwelt zweimal – man erweitert seinen Horizont um die Ideen dann wieder zu filtern, so besagt es der Prozess:

Double Diamond bei queo

Double Diamond Prozess

Für unsere Gruppenarbeit bekamen wir ein ganzes Tool-Set an die Hand, mit dem wir den abstrakten Schritten im stark verdichteten Double-Diamond Leben einhauchten. Man gräbt sich erst tief in ein Thema ein („How might we“ – Fragestellung, Brainstorming), beleuchtet viele Facetten („Affinity Diagram“, „n-Ups“), arbeitet verschiedene Aspekte einer Idee heraus („Opportunity Mind Map“, „NABC“) und wählt immer neue Wege der Ausarbeitung und Präsentation („Scenario“, „Storyboards“).

Apropos Präsentation: Nach jedem kleinen Meilenstein haben wir unser Ergebnis dem anderen Team vorgestellt – dafür hatten wir je 1 Minute Zeit. Das ist selbst für uns herausfordernd. Die extrem kurze Zeit zwingt nicht nur dazu prägnant und schnell zu präsentieren, sondern zur Reduktion auf die Essenz der Idee ohne vernebelnde Füllwörter und Buzzwords (eine wichtige Strategiekompetenz). Danach hatten die anderen je 2 Minuten Zeit Kritik zu üben.

Auf den Punkt: Genialität hat Methode und das nicht zu knapp! Wer behauptet dafür keine Zeit zu haben, verkennt, dass sich mit den richtigen Methoden sinnvoll kombiniert erstaunliche Ergebnisse erzielen lassen.

2. Teamarbeit

Der Strategenverband APG ermöglicht es immer wieder (Lesetipp: Power Planning Camp 2012 und 2013) das Planner unterschiedlichster Agenturen und mit unterschiedlichsten Schwerpunkten gemeinsam in Teams arbeiten. Das ist selten und umso mehr genossen Bernhard und ich den Austausch mit den Kollegen. Es ist begeisternd und inspirierend, wenn Menschen zusammenarbeiten, die ein gewisses Mindset teilen und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. So wird Teamarbeit ausschließlich positiv, konstruktiv und unterhaltsam. Zu viele Köche mögen den Brei verderben, aber nur in der eigenen Suppe schwimmen macht das Kraut nicht fett 😉

Die Athmosphäre wird geprägt durch „und“, nicht durch „aber“. Kritik wird in Fragen geäußert und die positiven Aspekte werden deutlich hervorgehoben. Dabei entsteht keine Kuschelatmosphäre, versteht mich nicht falsch, doch gegenseitiger Respekt vor den Ideen und Gedanken Anderer, getrieben von der Überzeugung, dass Ideen sich immer gegenseitig befruchten.

Auf den Punkt: Es ist eine wertvolle Erfahrung im Planner-Miteinander ein Konzept zu entwickeln.

3. Fokus

Die Voraussetzung für die konzentrierte Konzeptarbeit, die Bernhard und ich bei der Kreativagentur Grabarz & Partner erleben konnten, war vor allem die Abstinenz von Störfaktoren: Keine E-Mails, keine Termine, kein Telefon und damit keine ablenkenden Gedanken an das 5-te Parallelprojekt — unser eigener Space und alle Kraft wird diesem Konzept gewidmet. Es ist erstaunlich, wie viel einfacher es fällt den eigenen Fokus zu finden, wie viel angenehmer sich Arbeit dadurch anfühlt und wie viel besser man seine Ergebnisse auf den Punkt bringen kann.

Dazu trägt auch bei, dass wir die zwei Tage lang kein einziges Mal den Laptop zur Hilfe nahmen. Es ist zum Einen nicht nötig und zum Anderen wäre es auch nicht hilfreich. Denn Gedanken schnell auf einen Klebezettel zu schreiben macht sie jederzeit sichtbar, macht sie beweglich und macht sie auch wegwerfbar: Powerpoint-Folien, die ich mit viel Mühe erstellt habe, schaffen eine emotionale Verbindung, die jedoch eher behindert als nützt. Deshalb analog arbeiten. Und vor allem alle Ergebnisse an der Wand (oder dem Fenster) sammeln.

Denken mit Zetteln statt in Folien

Denken mit Zetteln statt in Folien

Auf den Punkt: Alle Gedanken aufschreiben, sie jederzeit für alle sichtbar machen, sich jedoch nicht an Ideen oder Strukturen gewöhnen.

Zum Abschluss sei noch zu sagen, dass wir trotz mehrjähriger Strategie- und Konzepterfahrung doch wieder viel für unsere tägliche Arbeit mitnehmen können. Einige Weisheiten, einige Tools, viele Hands-on-Erfahrungen und Kontakte zu tollen Menschen. Deshalb bleibt nur noch das Fazit einer wieder einmal sehr erlebnis- und erkenntnisreichen Reise nach Hamburg. APG Workshops bringen immer vorwärts und auf den Punkt. Punkt.


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