queo blog

5 Dinge, die Sie über die Generation Z wissen sollten

Geht es um Jugendliche und ihr Verhalten im Internet wird gerne zur Vorsicht gemahnt und der Zeigefinger erhoben (…. ja, auch ein wenig in unserem Projekt Social Web macht Schule). Cyber Mobbing, Datenschutz und Sexting: der nächste Skandal scheint nur einen Klick entfernt zu sein, wenn Kinder im Netz zu Erwachsenen reifen. Dabei gibt es eine Menge, die wir von den Digital Natives lernen können. Auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft sind sie die Early Adopters, die Innovationen aufgreifen, spielerisch ausprobieren und ihnen den Weg in die Gesellschaft bahnen. Wohin geht demnach die Reise für das Netz?

Trend 1: Community ja, aber bitte nur im Livestream

12 – 14 Jährige singen in die Kamera, essen Döner, beantworten die Fragen anonymer Nutzer, inszenieren ihre Beziehung oder stellen ihre Eltern vor. Durch Kommentare und Zuschauerzahlen bekommen die Jugendlichen Aufmerksamkeit, unmittelbares Feedback und fühlen sich gleich ein bisschen prominent. Mit Streaming-Diensten wie Younow wurde ein Nerv getroffen, der zeigt, dass Jugendliche immer wieder neue Wege der Verständigung nutzen. Hier werden Lebenswelten offengelegt, mit denen sich die Jugendlichen identifizieren können. Im Gegensatz zum Fernsehen geht es hier um den Alltag von echten Jugendlichen, hier ist nichts geskripted oder geschliffen – es ist nicht weniger als das individuelle Big Brother.

MERKE: Authentizität ist hier das Stichwort. Auch wenn es uns banal erscheint, Jugendliche wollen in ihrer Welt von Schule, ersten Beziehungsversuchen, Freundschaft und Familie, Styling und Hobbies abgeholt werden.

YouTube Preview Image

Trend 2: Content von Gleichgesinnten bevorzugt
Vorläufer dieses Trends der audiovisuellen Selbstdarstellung liegt in der großen Welle an Youtube Stars, die nun auch in Deutschland angekommen ist. Ob Games, politisches Geschehen, Comedy oder Kosmetik – zu jedem Thema, das auch nur ansatzweise die jugendliche Lebenswelt streift, gibt es einen passenden Youtubekanal. Die selbst noch sehr jungen Stars habe es geschafft sich um ein Thema herum zu positionieren und geschickt zu vermarkten. Authentizität und Interaktivität sind hier die großen Schlagwörter. Wie gute Freunde erzählen die Youtube Stars aus ihrem Alltag und teilen, was es bedeutet durch die Pubertät zu gehen. Und die Interaktionen mit den jungen Fans ist enorm. Es wird immer wieder dazu aufgerufen unter die Videos zu posten und die Antworten der Fans werden in späteren Videos wieder aufgegriffen. Im besten Fall schaffen die jungen Stars ihre online Community auch im wirklichen Leben zu mobilisieren.

MERKE: Noch wichtiger als die Information durch Gleichaltrige ist die Interaktion mit ihnen. Das Gefühl ernstgenommen zu werden und auch zum x-ten Mal eine persönliche Frage beantwortet zu bekommen.

Trend 3: Messenger ist König

Schon mal das Smartphone ihre Kinder, Nichten oder Neffen in der Hand gehabt und kaum eine der Apps kam ihnen bekannt vor? Snapchat, Facebook Messenger und WhatsApp bilden die Basis, doch richtig rund geht es erst wenn über Hangouts, Line, Slingshot, Threema, Telegram, Omegle, Skype, Viber, Kik, WeChat, ICQMessenger oder imo konstant Nachrichten von Freunden und Klassenkameraden eingehen. Der ständige Kontakt zu Freunden via Messenger hat das Statusupdate bei Facebook bereits um Längen überholt. Durch die Gruppenchats mit Gleichaltrigen werden diese privaten Messenger zu einem teilöffentlichen Raum. Internationale Unternehmen sind schon dabei diesen Trend abzufangen und auch in Deutschland ziehen Firmen langsam nach.

MERKE: Facebook ist tot, Messenger ist König. Hier tun sich neue Felder auf, die mit neuen Ideen bespielt werden wollen. Schafft man es in einer Chat-Gruppe aufgenommen zu werden und Interaktion zu triggern, ist ein Schneeballeffekt sicher.

So lachen, schmunzen und erröten Jugendliche heute - Quelle: iemoji.com

So lachen, schmunzen und erröten Jugendliche heute – Quelle: iemoji.com

Trend 4: Veränderte Sprache
Dass Jugendliche sich über eine Sprache abgrenzen, bei der Erwachsene oft nur mit dem Kopf schütteln können, ist keine Neuheit. Neu ist jedoch die Zeichenwahl: Emoji, die lustigen Smileys, sind längst im Sprachalltag angekommen und allgegenwärtig. Die schnell voranschreitende Internationalisierung der Jugendsprache macht schon heute Lust auf kreative Meisterwerke der Emojikunst.

MERKE: Jugendliche in ihrer Sprache anzusprechen wirkt oft gezwungen. Wer trotzdem auf den Zug aufspringen möchte, sollte lieber zuhören und Raum für Kreativität stellen.

Trend 5: Spiele als Dauerzeitvertreib
Gamification ist eines der vielgenutzten Buzzwords, wenn es um Trends im Marketing geht. Und die Jugendlichen machen es vor: Sieben von zehn Jugendlichen spielen regelmäßig und haben das Spielen stark in ihren Alltag integriert. Über eine Vielzahl von Konsolen, Endgeräten und Plattformen können die Jugendlichen auf Onlinespiele zugreifen. Hinzu gekommen ist jedoch die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Spielen über das Smartphone. Besonders beliebt bei Langeweile und um Wartezeiten zu überbrücken. 78% der Jugendlichen geben an Handyspiele zu nutzen und dabei liegen Jungen und Mädchen gleichauf.

MERKE: Unternehmen, die die Ansprache der Jugendlichen ernst nehmen, werden also kaum noch um ein Onlinespiel in der nächsten Kampagne herumkommen.

Authentizität, Bewegtbild, Community im engeren Sinne, kreativer Sprachgebrauch und Spieltrieb – davon werden wir in nächster Zeit noch viel mehr sehen, darauf sollten sich Agenturen einstellen. Woran sich die Jugendlichen gerade noch ausprobieren, könnte schon in wenigen Jahren unsere allgemeine digitale Realität ausmachen. Wir von queo freuen uns schon drauf!


9 thoughts on “5 Dinge, die Sie über die Generation Z wissen sollten

  1. Nur eine Mutmaßung, aber den ICQMessenger auf dem Telefon verwenden wohl maximal noch ein paar Leute, die auch auf Ü30-Partys gehen dürfen.

  2. Facebook ist tot, Messenger ist König! *hüstel* Ja, Jugendliche nutzen Messenger inzwischen stärker als Facebook – quantitativ betrachtet. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob man die Kids und Teens über diese Kanäle erreichen kann.

    Ich meine ich hätte in der letzten JIM-Studie gelesen, dass sich Jugendliche vor allem von Facebook zu Messengern wechseln, weil Eltern, Lehrer und Unternehmen inzwischen zu stark bei Facebook vertreten sind, so dass die 1:1 Kommunikation, die sich die Kids untereinander wünschen und suchen dort nicht mehr (ungestört) funktioniert.

    Für mich heißt das vor allem: Die Kids wollen untereinander kommunizieren und nicht mit Marken und Unternehmen und sie wollen dabei auch nicht permanent gestört werden. Passiert das, weichen sie auf neue Kommunikationsformen / -kanäle aus.

    Es geht also gar nicht so sehr um Facebook oder WhatsApp, sondern um Ungestörtheit und damit stellt sich die Frage, ob man Jugendliche in sozialen Netzwerk überhaupt erreichen kann?

  3. Es ist schön, dass Sie sich dem Thema widmen und mit vielen Gedanken kann ich mitgehen. Aber Sie verallgemeinern und beschönigen aus meiner Sicht, was YT betrifft. Denn es ist einiges gescriptet und wenn man sich anguckt, wie gut Produktvorstellungen ankommen, dann sieht man, dass das auch Firmen nutzen – hier ist noch viel Spielraum und Diskusionsbedarf.

    Und auch YT müssen Grenzen setzen, weil Fernsehen und YT die Jugendlichen dazu erziehen, Einblicke in Privatsphären zu bekommen, die ihnen sonst verschlossen blieben. Als Zuschauer erwartet man fast, dass man alles sehen kann, was man sehen will.Vlt. haben wir das Bedürfnis, jemandem vertrauen zu wollen – und YT geben uns das vermeintlich. Sie vertrauen uns so starkt, dass sie ihr halbes Privatleben zeigen. Und dann verschwindet einer für ein paar Wochen vom Bildschirm und dann hört man: Privater Stress, Nervenzusammenbruch etc.

    Ich glaube, der Glaube, dass der Konsument bestimmt, was auf YT läuft, kann trügerisch sein.

    Facebook & What’s App – ich denke, es kommt auf das WAS an. What’s App ist zur Kommunikation gut, über FB kann man auch im größeren Rahmen und mit Dateien usw. kommunizieren. Der Grund der Abwanderung ist vermutlich, dass Jugendliche ihre Privatsphäre wiederhaben wollen. Sie wollen sich von ihren Eltern usw. abgrenzen. Und Grenzen sind wichtig: Die Eltern haben eine andere Sprache, ein anderes Medium und bieten, anderes als andere im Umfeld, Sicherheit. Wenn sie in den Bereich der Jugendlichen „eindringen“, könnte es auch sein, dass sich andere Dinge ändern.

    PS: Warum setzen Sie Sprache mit Emoticons gleich? Auch die netten Abkürzungen aus dem SMS-Zeitalter haben sich überwiegend nicht erhalten.

    • Vielen Dank für diesen interessanten Einblick. Sie haben Recht, die Youtube-Welt hat schon längst angefangen sich zu kommerzialisieren und Schleichwerbung ist ein anhaltendes Problem innerhalb der Community. Und auch die Kooperation mit verschiedenen Medienpartnern haben sich als problematisch herausgestellt.Trotzdem sehe ich gerade in der intensiven Kommunikation eine riesige Chance. Auch die Authentizität der YT-Stars sowie Nähe zur jugendlichen Lebenswelt könnte YT vielleicht schon bald populärer als das Fernsehen unter Jugendlichen machen. In Zeiten der scripted reality finde ich es natürlich toll, dass die Jugendlichen zeigen, dass sie sich eigentlich nach etwas ganz anderem, etwas echtem sehnen.

      Abgrenzung ist natürlich immer ein Thema/Motiv wenn Jugendliche kommunizieren. Das wird wohl immer eine Konstante in der Jugendkommunikation sein 🙂 Allerdings ziehen die Erwachsenen gerne nach und daher bleibt es spannend zu beobachten, wo die Reise hingeht.

      Der Gleichsetzung von Emoji und Sprache liegt in meiner heimlichen Leidenschaft für die Zeichentheorie und der Hoffnung, dass unser Sprachalltag zukünftig durch Zeichen sich immer global verständlicher gestalten wird. Die Zeichen als lingua franca sozusagen.

  4. Pingback: Über den Unsinn schlechte Produkte zu bewerben | queo blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.