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Next Generation Publishing – Teil 2: Der „neue Weg“

Hallo, willkommen zurück! Wen der erste Artikel nicht gelangweilt hat, den wird auch die lang erwartete Fortsetzung vom Hocker reißen. Heute geht’s um den ominösen „neuen Weg“ der Publishing-Praxis, vorzufinden im Next Generation Publishing (NGP). Was es damit auf sich hat, dazu gleich mehr. Vorher noch etwas Allgemeines, um auch alle Neuen abzuholen. Schonmal als Warnung: Ich werde bei diesem Artikel fachlich mehr ins Detail gehen und hoffe, damit niemanden abzuschrecken. Bei Fragen gibt es ja die Kommentarfunktion 😉

Allgemeines

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Teil einer Serie. Ich werde nach und nach einzelne Aspekte des Next Generation Publishing vorstellen und erläutern, warum diese so toll sind. Hier wird natürlich nur an der Oberfläche gekratzt. Für die totale Abdeckung des Themas empfehle ich die grandiosen Cleverprinting-Bücher „PDF/X und Colormanagement“ und „NEXT GENERATION PUBLISHING mit InDesign und Photoshop“.

Wo waren wir?

Im letzten Artikel hatte ich den sogenannten „alten Weg“ vorgestellt, eine Hochglanzbroschüre mit vielen Bildern zu erstellen. Ich werde nun stattdessen die gleiche Aufgabe unter dem Gesichtspunkt des NGP bearbeiten und im Nachhinein auf die einzelnen Punkte eingehen.

  1. Digitalbilder in Photoshop öffnen, dabei im Quellfarbraum belassen
  2. Farbkorrekturen und Retusche über Smart-Objekte und Einstellungsebenen
  3. Bilder werden als PSD gespeichert
  4. In InDesign wird die Broschüre erstellt
  5. Die PSD-Bilder werden platziert.
  6. Export nach gewünschten Ausgabebedingungen – Fertig

Zugegeben, so gravierend anders wirkt das jetzt nicht, aber ein genauerer Blick offenbart einige Unterschiede. Zunächst kann man bereits quantitativ ablesen, dass sich der Aufwand um mindestens einen Schritt reduziert hat, das ist aber längst nicht alles.

Findige Beobachter haben natürlich sofort begriffen, was hier passiert. Es herrscht die gewollte Anarchie der Farbprofile, wir akzeptieren alles, was kommt! Adobe RGB? Na klar! Apple RGB? Meinetwegen. EciRGB? Aber sicher. sRGB? Immer her damit. ISONewspaper 26v4? Meh, wirklich? Hmm, na gut, gib erstmal her, darum kümmern wir uns später.

Kern des Ansatzes ist also, erst einmal alle Bilder in ihrem Quellprofil zu lassen (optimalerweise im RGB-Farbraum, warum, dazu später in der Serie mehr). Die Bilder werden dann weitestgehend nicht-destruktiv bearbeitet und im Adobe-eigenen Quellformat PSD gespeichert. Wir legen explizit keine Zwischenformate wie JPEG oder TIFF an. Warum sollten wir auch, Indesign hat keine Probleme damit, PSD-Dateien zu platzieren (im Gegenteil, es gibt sogar einige praktische Funktionen, die ausschließlich über PSD-Dateien funktionieren). Der letzte Schritt ist nun der Export via Indesign. Hier liegt nun die ganze Farbmagie. Wir benutzen Indesign nun beim PDF-Export direkt dazu, die platzierten Bilder in das gewünschte Ausgabeprofil zu konvertieren.

Was ist nun dieses medienneutral, von dem immer die Rede ist?

Nun ganz einfach, mit den erfolgten Schritten ist es nun ein Leichtes, mit denselben Bilddaten und Indesign-Dokumenten verschiedenste Zielmedien abzudecken. 300g Bilderdruck matt? Kein Problem, Ausgabeprofil „ISO Coated v2“ einstellen, Farbkonvertierung aktivieren, exportieren, fertig. Das Ganze soll aus Einsparungsgründen nun doch auf ungestrichenes Zeitungspapier? Klar, „ISONewspaper 26v4“ auswählen und exportieren. Wird noch eine Webversion gebraucht, kann auch schnell noch eine Variante in „sRGB“ herausgeschrieben werden. Wir haben soeben in gefühlten drei Handgriffen und 30 Sekunden für drei sehr verschiedene Anwendungsfälle perfekte Druck- bzw. Ansichtsdaten ohne irgendwelche Farbverluste erstellt. Yay!

But wait, there’s more!

Wir wollen die verwendeten Bilder noch auf einer Website veröffentlichen, in eine Digital-Publishing-App packen, in einen Flash-Banner packen (ja, das kommt immer noch vor 😉 ) und in Facebook-Posts verwursten. Auch dafür werden dieselben Bilddaten verwendet. Überall werden einfach immer wieder dieselben PSD-Dateien platziert und erst ganz zum Schluss im Zielprofil ausgegeben.

Wo ist der Haken?

Es gibt mehrere Stolpersteine innerhalb der Programme und auch konkrete Anwendungsfälle, in denen es Sinn macht, sich bereits früh auf ein Farbprofil festzulegen. Muss man beispielsweise einen Bereich in einem Bild in Corporate-Design-Farbe drucken, sollte bereits frühzeitig in ein Druckprofil umgewandelt werden, um die gewünschten Anpassungen per Hand vornehmen zu können. Auch dauert der Export für mehrere Medien in Wirklichkeit natürlich etwas länger. Die Daten müssen noch individuell geprüft werden und verschiedene Kanäle benötigen u.U. auch weitere Anpassungen, da das Ziel natürlich sein sollte, das Beste aus allen Kanälen und Medien rauszuholen.

Ich denke aber, das Prinzip sollte klar geworden sein: Wir verwenden so oft wie möglich dieselben Dateien und lagern die finale Farbkonvertierung soweit es geht an das Ende des Prozesses. So sparen wir uns mehrfach abliegende Daten und halten automatisch alle Medien aktuell.

Das beschriebene Prinzip heißt Intermediate Binding und ist total super. Der alte Weg mit der frühen Festlegung des Farbprofils heißt Early Binding. Eine weitere Variante ist das Late Binding. Hier wird die finale Farbkonvertierung der letzten verarbeitenden Institution übergeben. Im Druck wäre das die Druckerei, die dann die RGB-Daten in CMYK umrechnet. Da professionelle Druckereien sich diese Verantwortung aber zurecht nicht auf den Tisch holen wollen und der Designer selber auch die Kontrolle über die finale Konvertierung verliert, ist Late Binding sehr unüblich und Intermediate Binding sollte präferiert werden.

Wie bereits versprochen, wollte ich noch etwas über die Sinnhaftigkeit von RGB-Daten in der Bildbearbeitung erzählen. Das verschiebe ich dann mal auf den nächsten Artikel, den ich Farbprofilen widmen werde. Ich hoffe, ihr seid mindestens genauso hibbelig wie ich.

Bis denne, Alex


2 thoughts on “Next Generation Publishing – Teil 2: Der „neue Weg“

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