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Next Generation Publishing – Teil 3: Alle Farben

Kinder, erinnert ihr euch noch an damals, als euch euer Opa versprach, euch bald etwas über Farbprofile zu erzählen? Vieles hat sich getan seitdem, nur der Blogeintrag erschien nicht. Menschen gingen auf die Straße und forderten die unbedingte Fortsetzung der Reihe „Next Generation Publishing“ und nun beuge ich mich der Masse und gebe den Rufen nach!

Zwei Artikel gab es schon, jetzt geht es bunt weiter. Heut spreche ich über Farbmodelle, -räume und -profile, also Kernthemen des Publishing-Workflows. Was sind Unterschiede, warum und wozu? Gleich wissen wir’s!

Allgemeines

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Teil einer Serie. Ich werde nach und nach einzelne Aspekte des Next Generation Publishing vorstellen und erläutern, warum diese so toll sind. Hier wird natürlich nur an der Oberfläche gekratzt. Für die totale Abdeckung des Themas empfehle ich die grandiosen Cleverprinting-Bücher „PDF/X und Colormanagement“ und „NEXT GENERATION PUBLISHING mit InDesign und Photoshop“.

Wo waren wir?

Kurze Erinnerung, bisher stellte ich sowohl den alten als auch den neuen Weg des Publishing anhand eines Anwendungsbeispiels vor. Heut gehen wir etwas mehr ins Detail und ich werde versuchen, einige Unklarheiten zum Thema Farbmanagement zu beseitigen.

Was soll das mit den Farben?

Farben sind Zauberei. Eine lückenlose Beweiskette dafür gibt es in meinem anderen Artikel „Beschreibe mir die Farbe Blau“, dessen Inhalt ich jedem ans Herz lege; er ist grandios und gehört mit Sicherheit bald zum prüfungsrelevanten Wissen ab Sekundarstufe 2. Ich warte kurz, bis ihr den Artikel gelesen habt, damit ich hier weitermachen kann.

RDJ waiting

Quelle: the internets

Willkommen zurück! Ich weiß, es war besser, als ihr dachtet. Nun können wir mit dem richtigen Beitrag weitermachen.

Farbmodelle

Wir fangen mal einfach an. Für den Großteil der Gestaltungsaufgaben benötigen wir zwei verschiedene Farbmodelle: CMYK und RGB. CMYK ist subtraktiv, RGB additiv, das klingt völlig gegenteilig, weil es auch genau das ist.

Hier ein kurzer Beweis mit populärwissenschaftlichen Eselsbrücken:

Wenn ihr das hier (an einem normalen TFT-Bildschirm oder Smartphone) lest, habt ihr es mit RGB zu tun. Das vermeintliche Weiß im Hintergrund (zwischen den grauen Streifen) ist Licht, das euch anstrahlt. In der Vergrößerung würdet ihr sehen, dass es zustande kommt, indem die drei Grundfarben-Pixel Rot, Grün, und Blau gleichzeitig leuchten und somit die Farbe Weiß bilden. Viele Farben zusammenaddiert -> viel Licht -> Weiß, daher additiv. Wenn nix leuchtet, wird es dunkel an der Stelle, also Schwarz, was man am Text sieht, Schwarz ist also die Abwesenheit von Farben bzw. Licht.

Im CMYK-Farbmodell ist das genau anders herum. Würdet ihr euch diese Seite ausdrucken und dann lesen, hättet ihr es mit dem CMYK-Farbmodell zu tun. Das Weiß des Papiers im Hintergrund ist nun die Abwesenheit von Farbe und je mehr Farbe auf einen Punkt gedruckt wird, desto dunkler wird er. Viele Farben zusammen -> wird dunkler -> Schwarz, daher subtraktiv. Die Grundfarben im Druck sind dabei Cyan, Magenta und Gelb (Yellow), da das in der Praxis nicht dunkel genug wird und damit man für Text nicht immer Farben mischen muss, gibt es zusätzlich Schwarz (Key).

Die große Kunst ist nun, zwischen den beiden Farbmodellen hin- und herzurechnen, so, dass ein einheitlicher Farbeindruck entsteht, was in Anbetracht der völlig unterschiedlichen Farbdarstellung verständlicherweise immer wieder Probleme hervorruft.

Farbräume

Wie schön wäre es, wenn Farbmodelle alles wären, was man zu diesem Thema kennen muss? Sehr! Aber so ist es natürlich nicht. Es gibt technische und wissenschaftliche Gründe dafür, dass es nicht einen, nicht zwölf, sondern gefühlt über 9000 verschiedene Farbräume für RGB und CMYK gibt, die aus verschiedenen Gründen alle ihre Daseinsberechtigung haben. Es gibt Farbräume zur Bildaufnahme (Kamera, Scanner), Bildwiedergabe (verschiedene Bildschirme, Drucker, ePaper usw.), Bildverarbeitung und alle möglichen Hybride daraus. Verschiedene Anwendungen und Technologien verarbeiten die Farben trotz vermeintlich gleichem Farbmodell unterschiedlich mit wechselnder Qualität und Farbtreue. Um das alles unter einen Hut zu bringen, gibt es die sogenannten Farbprofile.

Farbprofile

Dabei handelt es sich um kleine Textdateien, die eine Art Übersetzungshilfe darstellen. Sie geben dem Bild, dem sie anhängen, eine Anleitung mit, wie die Farben zu interpretieren sind. Von einer professionellen DSLR-Kamera kommend, könnte ein Bild zum Beispiel mit dem Profil Adobe RGB versehen sein, von einer popeligen Webcam eher mit dem sRGB-Profil. Die darstellende Software nimmt nun das Profil, bügelt das Darstellungsprofil des Monitors drüber und stellt es (so farbecht wie es ihm möglich ist) dar.

Für den Druck muss ein Bild nun in CMYK vorliegen. Um es vom RGB- in das CMYK-Modell umzurechnen, gibt es verschiedene CMYK-Ausgabeprofile, mit deren Hilfe in druckbare Daten konvertiert werden kann. Diese Profile unterscheiden sich vor allem im Farbauftrag und der Papierfarbe. Es gibt sowohl Profile für farbstichiges Zeitungspapier, das bei zuviel Farbauftrag durchweicht als auch für robustes hochweißes gestrichenes Papier und natürlich auch alles dazwischen und drumherum. Man kann sich z.B. sehr leicht vorstellen, dass ein Farbwert anders wirkt, wenn er auf farbstichigem Papier gedruckt wird. Das versuchen derartige Profile zu kompensieren, indem bei der Konvertierung die Papierfarbe aus den Bildinformationen herausgerechnet wird.

Aufgrund des wilden Hin-und-Hers zwischen Profilen und Farben ist es sehr praktisch, an so vielen Stellen wie möglich Farbkalibrierungen durchzuführen. Dafür gibt es tolle Werkzeuge, für die ich hier jetzt keine Werbung mache.

Jetzt geht’s los

Fast! Eigentlich wollte ich in diesem Artikel schon darüber schreiben, welche Profile man wo und warum verwendet und wie man das zentral konfiguriert (Spoiler: Farbmanagement fetzt). Jetzt war es doch wieder ein Grundlagen-Artikel und ich muss euch für die Anwendungsbereiche nochmal vertrösten. Ich hab aber schon mit dem nächsten Artikel angefangen, ich schwöre!

Also, bis dann in Teil 4, ich freu mich,
Alex