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Social Web macht Schule – Unsere Bilanz 2014

Für Kinder und Jugendliche lauern in unserer Welt viele Gefahren; Eltern machen ihren Sprösslingen schnell klar, dass süßigkeitenverteilende Fremde selten Gutes im Schild führen, Poldi der Polizei-Dinosaurier erklärt den Grundschulkindern warum es sinnvoll ist sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten und einen Helm zu tragen – und neuerdings ist noch eine Gefahr dazu gekommen: die sozialen Medien.

Kinder verschwinden hinter ihren Smartphone-, Laptop-, Tablet- Computerbildschirmen und kommen nur zum Essen mal in der realen Welt vorbei. Was in der virtuellen Welt hingegen passiert bleibt ein Mysterium aus Likes, Postings, Shootern, Communities und vielen weiteren, leicht verwechselbaren Anglizismen.

Die Social Media Nutzung

Jugendliche sind durchschnittlich 179 Minuten/ Tag online (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2013:60)[1] und das vorrangig per Smartphone (DIVSI 2014:12)[2]. Ich war zu meiner Jugendzeit genau 0 min/Tag im Internet und habe dafür meine 179 Minuten/Tag vor dem Fernseher verbracht. Großer Unterschied zwischen diesen zwei Lebenswelten: Beim Fernsehen wird konsumiert, im Internet steht neben dem Konsum (lustige Youtube Katzenvideos schauen), noch die Interaktion (Einen Kommentar unter das lustige Katzenvideo schreiben) und die Kreation (ein eigenes lustiges Katzenvideo konzipieren, aufnehmen, bearbeiten und hochladen).

On zu sein bedeutet in zu sein, dazuzugehören, sich mit Freunden zu vernetzen und jederzeit erreichbar zu sein. Eine Studie (DIVSI 2014) gibt an „Online sein zu können, stellt für junge Menschen ein zentrales Element gesellschaftlicher Teilhabe dar.“ (S. 12).

Die Potentiale

Kommen wir zurück zu unserem Beispiel vom Anfang: Fahrradfahren kann gefährlich sein. Bringt man einem Kind allerdings das Fahrradfahren entsprechend bei, stellt ihm ein fahrtaugliches Fahrrad mit entsprechenden Beleuchtungselementen, Klingel, etc. inklusive Fahrradhelm zur Verfügung und belehrt den Fahranfänger zu den geltenden Straßenverkehrsregeln, minimiert man das Risiko. Letztendlich hat Fahrradfahren ja einen Nutzen: Freiheit, Flexibilität, Wind in den Haaren, usw.

Ebenso ist es mit den sozialen Medien. Es gibt zwar keinen Wind, der uns durch die Haare weht, aber im Netz wartet trotz dessen die Freiheit auf uns. Wir können mit Menschen mit ähnlichen Interessen in München, Bógota, Washington oder Antananarivo in Kontakt treten – wann wir wollen, wo wir wollen, wie wir wollen. Das Netz schenkt uns Individualität, Vernetzungsmöglichkeiten, Ortsunabhängigkeit und Zeitlosigkeit.

Die Gefahren

So einfach ist das: Ich möchte nicht mehr ohne meinen GoogleAccount leben.

Aber ich bin auch heilfroh, dass ich ohne Internet aufgewachsen bin. Während ich mich mit dem Internet vertraut gemacht habe, lag meine Pubertät hinter mir und meine Vernunft war zurückgekehrt. Das Internet und ich konnten uns auf einen bewussten Umgang miteinander verständigen. Dieses Glück besteht heute nicht mehr, da die meisten Schüler der fünften Klasse bereits ein Smartphone besitzen und all die technologischen Möglichkeiten ungestüm und unreflektiert nutzen.

Dabei tauchen dann private Bilder irgendwo im Netz auf, in WhatsApp-Gruppen wird gedemütigt und beschimpft, Arbeitgeber stellen Mitarbeiter aufgrund ihres Facebook-Profils nicht ein – oder ganze Leben werden zerstört. Wie das von Laura oder das von Amanda.

Und wer schaut zu? Die Weltöffentlichkeit!

Social Web macht Schule – ein Rückblick

Schüler 2014Poldi schützt Sachsens Schüler weiterhin vor den Gefahren der realen Welt – wer aber schützt die Schüler vor der virtuellen?

2011 hat queo dazu das Projekt „Social Web macht Schule“ ins Leben gerufen. Es engagiert sich für einen bewussten, selbstverantwortlichen und fairen Umgang mit modernen sozialen Medien wie Facebook, Youtube und Whatsapp. Dazu arbeiten Trainer in zweitägigen Workshops mit Schulklassen und sprechen zudem in Abendveranstaltungen mit Eltern und Lehrer über die Möglichkeiten und Tücken dieser so wichtig gewordenen Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Dabei stehen Themen wie Datenschutz, Privatsphäre und rechtlich relevantes Wissen im Zentrum. Die Problematik des Cyber-Mobbing wird am zweiten Tag besonders intensiv behandelt.

Seit August dieses Jahres konnten wir dank der Kooperation mit enviaM und dem Verein zur Entwicklung der Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal e.V., sowie der Unterstützung der Stadtwerke Olbernhau und Marienberg, ein speziell ausgebildetes Trainerteam aufbauen und im Augustusburger Land für einen bewussten Umgang mit Facebook & Co mit 5 Schulen zusammenarbeiten.

Wir blicken zurück auf 483 aufgeklärte Schüler, 160 aufgeklärte Eltern und 240 aufgeklärte Lehrer und freuen uns über die Zeitungsartikel der regionalen Presse. Die Freie Presse hat das Team von „Social Web macht Schule“ an die Heinrich von Trebra Oberschule Marienberg, die Martin Andersen Nexö Oberschule Zschopau, die Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg und die Oberschule Pockau-Lengefeld begleitet.

Social Web macht Schule – ein Ausblick

Vielleicht wird Poldi irgendwann auch für Sicherheit in der virtuellen Welt sorgen. Vielleicht wird es irgendwann ein Schulfach „Medien und Mediennutzung“ geben. Vielleicht werden das Internet und alle Plattformen auch einfach kinderfreundlicher.

Derzeit ist ein gewaltfreies, faires, sicheres Internet allerdings noch Utopie.

Also wird das Projekt „Social Web macht Schule“ auch 2015 wieder mit kompetenten Trainern und pädagogisch ausgeklügelten Konzepten tatkräftig die Herausforderung angehen. Dabei unterstützt uns auch im Neuen Jahr enviaM – und vielleicht der ein oder andere engagierte Lehrer, interessierte Förderverein oder eifrige Sponsor! Projektinteressierte sind stets willkommen und gern gesehen! Schließlich können nicht genug Hände mit anpacken, wenn es darum geht Kinder und Jugendliche zu schützen.

Entwicklungen und Neuigkeiten im Projekt können Sie wie gewohnt auf unserem social-web-macht-Schule-Blog verfolgen.

Quellen:

[1] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2013). JIM 2013.

[2] Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Netz (DIVSI) (2014). DIVSI U25-Studie, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt.


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