queo blog

Next Generation Publishing – Teil 4: Schon wieder Farben?

Ich hatte es angedroht: irgendwann muss es ja mal weiter gehen mit der NGP-Reihe. Ihr wisst jetzt, wie Farben funktionieren, heute lernen wir, wie man sie einsetzt. Nicht wirklich, aber so ähnlich, wir sprechen jetzt aber endlich mal über den produktiven Einsatz von Farbprofilen und Farbmanagement.

Was bisher geschah

In Teil 1 der Reihe führte ich euch mit einem Beispiel ein in die Welt des Next Generation Publishing, Teil 2 zeigte an einem Beispiel kurz den NGP-Workflow und Teil 3 gab eine Einführung in Farbmodelle und -räume.

Welches Profil ist das beste und was nehm ich jetzt wann?

So pauschal kann man das gar nicht sagen. Bei den RGB-Profilen hat jedes seine Vor- und Nachteile, bei den CMYK-Profilen wählt man das Profil nach dem Ausgabemedium oder bekommt es vom Druckdienstleister vorgeschrieben.

Prinzipiell gilt: RGB ist mächtiger als CMYK, bei einer Konvertierung von RGB nach CMYK gehen Farbinformationen verloren. Aus diesem Grund sollte die Umwandlung so spät wie möglich erfolgen. Entscheidet man sich nach der Erstellung einer Imagebroschüre dafür, die verwendeten Bilder auf der Website einzusetzen, hat aber schon vor der Bildbearbeitung in CMYK umgewandelt, kann eine Rückkonvertierung natürlich keine Farbinformationen wieder hinzu zaubern.

Aus diesem Grund arbeitet Next Generation Publishing mit dem Intermediate-Binding-Ansatz: alles bleibt bis zum finalen Export in seinem Quellprofil und wird erst im letzten Schritt für das Ausgabemedium konvertiert.

Typische Ausgabeprofile sind sRGB für digitale Kanäle und ECI ISO coated v2 (CMYK) für die Verwendung im Druck.

Bildbearbeitung in der Regel in RGB!

Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  1. RGB ist mächtiger als CMYK, ich habe also mehr Spielraum, was die Farben angeht
  2. Das Medium, auf dem bearbeitet wird, stellt mir das Ergebnis direkt in RGB dar. Der Monitor arbeitet mit RGB, das Bild ist in RGB, es muss keine verrückte Live-Konvertierung erfolgen, die mir von einem Farbmodell ins andere und wieder zurück projeziert
  3. Viele Funktionen und Filter in Photoshop funktionieren nur auf RGB-Daten.

Wenn ich wirklich sehen will, wie das Bild im Zielfarbraum aussieht (z.B. ISO coated v2), kann ich mir das über den Softproof einrichten und mit [STRG/CMD]+Y zwischen Arbeitsfarbraum und Zielfarbraum wechseln.

Und das machen wir alles in sRGB?

Nicht alles! Allerdings ist sRGB so etwas wie der Standardfarbraum für RGB-Anwendungen. Er ist verhältnismäßig klein, aber kann von allen Browsern, Clients, Geräten usw. zuverlässig dargestellt werden. Viele Browser interpretieren Bilder von vornherein als sRGB, völlig unabhängig vom anhängenden Farbprofil. Deswegen bietet es sich für digital orientierte Designer an, sRGB als fest eingestellten Arbeitsfarbraum zu verwenden. Das vereinfacht auch die Verwendung von Screenshots und das Kopieren und Einfügen von Bilddaten zwischen den Tools.

Sollte man überhaupt andere RGB-Farbräume verwenden?

Definitiv, das ist bei manchen Anwendungsfällen sogar sehr sinnvoll. Wie schon erwähnt, ist sRGB nicht sehr mächtig. Das kann dazu führen, dass bei einer Bildbearbeitung in kritischen Bereichen die Farben wegbrechen. In solchen Fällen sollte immer darüber nachgedacht werden, einen mächtigeren Farbraum wie Adobe-RGB oder Apple-RGB zu verwenden.

Als Faustregel des Next Generation Publishing gilt: wir belassen am Besten alles in seinem eigenen angelieferten Quellfarbraum und versuchen, damit klar zu kommen, da jede Konvertierung eine zum Teil destruktive Änderung bedeutet, die man in vielen Fällen nicht rückgängig machen kann. Es wird immer Ausnahmen geben: Wenn zum Beispiel ein ganz bestimmter Corporate-Farbton im zu druckenden Bild eingestellt werden muss, kann es durchaus nötig sein, für diese Bearbeitung schon früh in CMYK umzuwandeln.

Das übergreifende Farbmanagement

Mit der Adobe Creative Suite hat man die Möglichkeit eines über alle Anwendungen synchronisierten Farbmanagements (die man auch nutzen sollte). Dazu kann man einfach in Photoshop die Profileinstellungen einmalig anlegen, abspeichern und über Bridge für die gesamte Creative Suite synchronisieren. Achtung, hier jetzt Top Secret die Farbprofileinstellungen der queo-Designer:

Farbmanagementeinstellungen des queo-Designteams

Farbmanagementeinstellungen des queo-Designteams

Was kann man nun darauf erkennen? Wir arbeiten zwar im Arbeitsfarbraum sRGB, haben aber sämtliche Warnungen ein- und alle automatischen Konvertierungen ausgeschaltet, um die totale Kontrolle über die Farbprofile zu behalten. Wir werden jedes Mal darauf hingewiesen, sobald der Farbraum vom Arbeitsfarbraum abweicht. In der Regel wird der Quellfarbraum dabei absichtlich beibehalten und nicht automatisch in sRGB konvertiert.

Der Wechsel zu sRGB als teamübergreifendem Arbeitsfarbraum geschah bei queo vor ca. einem Jahr und hat sich seitdem bewährt. Vorher arbeiteten die Printer mit eciRGB und die Screendesigner mit sRGB und es kam immer wieder zu kleineren Profilkonflikten.

Im CMYK-Farbraum arbeiten wir seit jeher standardmäßig mit ISO Coated v2 300%, gehen aber natürlich für verschiedene Papiertypen auch andere Wege, falls benötigt.

Fazit

Hier nochmal zusammengefasst unsere Empfehlungen:

  • Synchronisiert euer Farbmanagement über alle eure Anwendungen
  • Benutzt als Arbeitsfarbräume die, mit denen ihr am häufigsten konfrontiert werdet
  • sRGB als RGB-Arbeitsfarbraum bietet sich mehr an, als man denkt
  • Nutzt für Bildbearbeitung so weit es geht RGB-Daten und konvertiert nur in CMYK, wenn es unbedingt sein muss, besser jedoch, platziert RGB-Photoshopdateien in Indesign und überlasst die finale CMYK-Konversion dem PDF-Export
  • Lasst nie Farben automatisch konvertieren, behaltet bis zum Schluss die totale Kontrolle über die Farben und Farbwerte

So, das war ne Menge Theoriekram!

Ich warte jetzt sehnsüchtig auf Fragen und Diskussionen und bereite schonmal Teil 5 vor. Worum es da gehen wird, ist noch ein Geheimnis, ich muss euch ja irgendwie bei der Stange halten.

Bis denne, Alex